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03.09.2026 Ella Siml

Smart Glasses im Alltag

Leitlinien für einen souveränen Umgang

Smart Glasses im Alltag bieten bereits heute hunderte Einsatzmöglichkeiten. Von KI-gestützten Funktionen über Navigation und Übersetzung bis hin zu neuen Anwendungen im Arbeitsalltag: Die Technologie entwickelt sich schnell weiter. Was in Zukunft noch hinzukommt, können wir uns heute kaum vorstellen.

Gerade deshalb ist es wichtig, schon jetzt einen souveränen Umgang mit Smart Glasses im Alltag zu entwickeln. Denn neben neuen Möglichkeiten entstehen auch Fragen rund um Sicherheit, Datenschutz und Privatsphäre.

Welche Sicherheits- und Datenschutzprobleme durch einen unangebrachten Umgang mit Meta Glasses entstehen können, haben wir bereits in diesem Blogpost aufgeklärt: 
Privacy-Krise im Gesicht: Wie „Rizzfluencer“ die Smart Glasses von Meta zweckentfremden

Gemeinsam mit Prof. Dr. Philipp Rauschnabel, zahlreichen Fachverbänden, Hochschulen und Forschenden haben wir deshalb eine erste Version von Leitlinien für den souveränen Umgang mit Smart Glasses im Alltag entwickelt.

Wie sollte man mit Smart Glasses umgehen?

Smart Glasses sind eine neue Form digitaler Technologie – trotzdem müssen wir für ihren Umgang nicht alles neu erfinden. Viele Regeln, die für Smartphones, Kameras oder andere digitale Geräte gelten, lassen sich auch auf Smart Glasses übertragen.

Gleichzeitig bringen Smart Glasses neue Situationen mit sich: Sie können Informationen direkt ins Sichtfeld einblenden, mit KI arbeiten und teilweise Kameras oder Mikrofone nutzen, ohne dass für Außenstehende immer eindeutig erkennbar ist, was gerade passiert.

Unsere Leitlinien betrachten deshalb beide Seiten: TRAGEN beschreibt, worauf Nutzer von Smart Glasses achten sollten. SEHEN hilft dabei, Smart Glasses als Gegenüber souverän einzuordnen.

Smart Glasses souverän nutzen – das TRAGEN-Konzept

Bei der Nutzung von Smart Glasses empfehlen wir das TRAGEN-Konzept:

Technologie erkunden
Reale Welt im Blick behalten
Auswirkungen auf Andere mitdenken
Gewohnte Regeln übertragen
Eigenverantwortlich und souverän nutzen
Niemandes Rechte verletzen

Technologie erkunden und Grenzen kennen

Konkret bedeutet das: Probiere die Funktionen aus, lerne die Anwendungen kennen und teste neue Features. Frage dich anschließend: Was davon hilft mir tatsächlich?

Neugieriges Ausprobieren bedeutet nicht, etwas unkritisch zu übernehmen.

Denn auch KI hat Grenzen: Sie sieht nur einen Ausschnitt, kennt nicht immer den vollständigen Kontext und kann sich irren. Informationen und Einblendungen im Sichtfeld beanspruchen zudem Aufmerksamkeit.

Besonders im Verkehr, beim Sport oder an Maschinen gilt deshalb: Menschen, Hindernisse und Warnsignale haben Vorrang vor der nächsten KI-Antwort.

Andere Menschen und ihre Privatsphäre mitdenken

Menschen in deiner Umgebung können nicht immer erkennen, was du gerade mit deiner Brille machst. Wenn deine Nutzung andere unmittelbar betrifft, hilft ein kurzer Hinweis: „Ich frage kurz meine Brille.“

Nicht jede ungewohnte Nutzung ist problematisch – und nicht jedes Unbehagen bedeutet, dass etwas verboten werden muss.

Eine hilfreiche Frage lautet: „Würde ich das mit meinem Smartphone auch machen dürfen?“

Viele alltägliche Anwendungen sind unproblematisch: Musik hören, navigieren oder sich informieren. Gleichzeitig gelten auch für Smart Glasses bestehende Regeln und Grenzen.

Zeichne nichtöffentliche oder vertrauliche Gespräche nicht einfach auf. Sei in privaten oder sensiblen Räumen zurückhaltend und respektiere die Rechte anderer. Gehe mit Aufnahmen verantwortungsbewusst um und lasse ein vorhandenes Aufnahmesignal sichtbar und funktionsfähig.

Denn manche Grenzen sind nicht nur eine Frage des Anstands, sondern auch des Rechts.

Smart Glasses am Arbeitsplatz

Für den Arbeitsplatz gilt: Kläre die Nutzung von Smart Glasses vorher mit deinem Arbeitgeber oder deiner Organisation.

Das gilt insbesondere dann, wenn personenbezogene Daten, interne Informationen, Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse betroffen sein könnten.

Die Verantwortung für Daten liegt dabei nicht allein bei der Person, die die Smart Glasses trägt. Auch Hersteller und Diensteanbieter sind für einen transparenten und regelkonformen Umgang mit Daten verantwortlich.

Smart Glasses im Alltag begegnen – das SEHEN-Konzept

Auch wenn dir Smart Glasses begegnen, hilft ein souveräner Blick. Dafür steht das SEHEN-Konzept:

Situation statt Gerät beurteilen
Eigene Grenzen und Rechte kennen
Hintergründe berücksichtigen
Erleben und verstehen, wenn es passt
Nuanciert einordnen

Situation statt Gerät beurteilen

Du musst nicht wissen, was jede Person in deiner Umgebung mit ihren Smart Glasses macht. Entscheidend ist die konkrete Situation: Betrifft dich die Nutzung tatsächlich oder gibt es einen konkreten Anlass, genauer hinzusehen?

Nicht jede Smart Glasses ist automatisch eine Kamera, nicht jede Nutzung bedeutet eine Aufnahme und nicht jede ungewohnte Handlung ist problematisch.

Wenn dich eine Situation tatsächlich betrifft, kannst du sie ansprechen, zum Beispiel:

„Ich möchte nicht aufgenommen werden. Kannst du die Brille bitte abschalten und absetzen?“

Je nach Situation kannst du dich auch an Verantwortliche, Veranstalter oder andere zuständige Stellen wenden.

Solltest du problematische Inhalte über dich oder andere im Internet finden, dokumentiere sie, melde sie bei der Plattform und prüfe gegebenenfalls rechtliche Schritte.

Ungewohnt bedeutet nicht automatisch problematisch

Smart Glasses können Verhaltensweisen erzeugen, die zunächst ungewohnt wirken. Jemand spricht scheinbar mit sich selbst, hält während eines Gesprächs inne oder reagiert auf Informationen, die du weder sehen noch hören kannst.

Das ist nicht automatisch problematisch oder unhöflich. Ähnliche Veränderungen haben wir bereits bei Smartphones oder Bluetooth-Headsets erlebt.

Um Smart Glasses besser einzuordnen, hilft es deshalb, sie selbst auszuprobieren. Wer die Technologie aus eigener Erfahrung kennt, kann ihre Stärken und Schwächen besser beurteilen.

Entscheidend ist, Chancen, Grenzen und konkretes Verhalten differenziert zu betrachten.

Häufige Fragen zu Smart Glasses: Sind Smart Glasses ein Datenschutzrisiko?

Smart Glasses können Datenschutzfragen aufwerfen, insbesondere wenn sie über Kameras, Mikrofone oder KI-Funktionen verfügen. Entscheidend ist jedoch immer die konkrete Nutzung. Wie bei anderen digitalen Geräten gilt: Persönliche Daten, vertrauliche Informationen und die Rechte anderer sollten verantwortungsvoll behandelt werden.

Darf ich mit Smart Glasses andere Personen aufnehmen?

Das hängt von der konkreten Situation und den geltenden rechtlichen Regelungen ab. Nichtöffentliche oder vertrauliche Gespräche sollten nicht einfach aufgezeichnet werden. Auch bei Aufnahmen anderer Personen sollten deren Rechte und die jeweilige Situation berücksichtigt werden.

Was gilt für Smart Glasses am Arbeitsplatz?

Die Nutzung von Smart Glasses am Arbeitsplatz sollte vorher mit dem Arbeitgeber oder der zuständigen Organisation abgestimmt werden. Besonders relevant sind dabei Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse, personenbezogene Daten und interne Informationen.

Wie sollte ich reagieren, wenn jemand Smart Glasses trägt?

Nicht jede Smart Glasses-Nutzung ist automatisch problematisch. Entscheidend ist, ob du tatsächlich betroffen bist. Wenn du einen konkreten Anlass hast oder nicht aufgenommen werden möchtest, kannst du die Person direkt und respektvoll darauf ansprechen.

Die Leitlinien sind erst der Anfang

Die Guidelines sind bewusst ein Anfang. Sie sollen mit der Technologie wachsen.

Neue Erfahrungen, Perspektiven und Kritik werden dazu beitragen, die Handlungsempfehlungen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Denn Smart Glasses werden sich weiter verändern. Unser Umgang mit ihnen sollte es auch.


Du  willst noch mehr erfahren? Hier geht´s zum Download der Leitlinien für Smart Glasses (Version 1) 


Ella Siml

Werkstudentin | Social Media Lead


ella.siml@nik-nbg.de


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